DIE HERKUNFT DER LAMAS VOM BLAUEN BERG Der erste Lama- und Alpaka-Import aus Chile kam 1991 nach Frankreich. Damals gab es in Europa noch keine Kameliden-Zuchtvereine, aber irgendwie war, wie so oft, die Begeisterung für diese ausserordentlichen Tiere von Nordamerika aus nach Europa gekommen. Zuvor fand sich auf dem alten Kontinent nur den Bestand an Kameliden der aus Zoo- und Zirkushaltung und bei ein paar Privathaltern so dahin vegetierte. Obwohl dieser Grundbestand durch Inzucht, mangelnde Selektion und Kreuzungen mit Guanacos genetisch schwer angeschlagen war, wuchs ab Beginn der 90er Jahre die Nachfrage und damit das Preisniveau enorm. Das war kein Zufall, denn die Kleinkameliden erfüllen ein steigendes Bedürfnis, das zu dem Zeitpunkt irgendwie reif war. Diese wachsende Nachfrage motivierte ein paar Pioniere dazu die ersten Importe aus Südamerika zu ermöglichen, um die züchterischen Bemühungen in Europa auf ein höheres genetisches Niveau zu bringen. |
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1998 kam eine Gruppe argentinischer Zuchttiere hinzu und in den letzten Jahren auch immer wieder nordamerikanisches Blut. Die Verbindung dieser drei Hauptursprünge, seit kurzem noch durch einen peruanischen Hengst ergänzt, hat sich hervorragend bewährt. Die chilenischen Lamas sind elegant, bunt und sanft. Die argentinischen haben starke Knochen und dichte Wolle und die nordamerikanischen bringen ein gewisses Etwas an Klasse und Ausstrahlung. Unten: Lamas in der argentinsichen Pampa. Für die nordamerikanischen und den peruanischen Hengst siehe >> Hengste (in Vorbereitung). |
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Der seit 1990 bestehende Zuchtbetrieb vom Blauen Berg befand sich damals noch in der Experimentierphase mit der Vorgabe: Zucht seltener, robuster Haustiere. Das Ziel war diesen bis dahin seit Jahren verlassenen Hof, mit seinen 40 ha Magerwiesen und 20 ha Wald auf kalkreichem Juraboden zwischen 600 und 800 m, wieder zum Leben zu erwecken.
Nach Versuchen mit Schottischen Hochlandrindern (Highland Cattle), Zwergeseln, Rieseneseln, diversen seltenen Schaf- und Ziegenrassen, Yaks, Zwergzebus etc. kam das erste Lamapaar auf den Hof. Damit waren die Weichen für die Zukunft gestellt. All die anderen Tiere hatten ja auch ihren Charme, machten aber viel Arbeit, legten zum Teil recht rauhe Umgangsformen an den Tag und brachten nicht viel ein. Dazu kamen noch die ersten Panikreaktionen des Marktes auf den Rinderwahn.
Ein Besuch in Zentralfrankreich bei den 300 Lamas und Alpakas, die gerade aus Chile angekommen waren stellte dann das endgültige Schlüsselerlebnis dar. Unbeschreiblich sanfte Anmut strahlte aus der Vielzahl dieser grossen, fremdartigen Augen, es gab kein zurück mehr. Nach ein paar finanziellen Kunststücken, die Importtiere waren auch damals schon teuer, kamen kurz darauf die ersten 24 Lamas und Alpakas auf den Hornhof. Mehr Alpakas als Lamas, denn diese waren damals in Europa noch fast unbekannt und total exotisch.
Nach den ersten Erfahrungen in der Kamelidenzucht, den ersten Erfolgen und natürlich auch Rückschlägen, war bald klar, dass man sich für einen professionellen Zuchtbetrieb auf eine Tierart konzentrieren sollte und dass dies für den Hornihof Kameliden sein mussten. Um einen lebensfähigen Betrieb zu schafften reichte aber der damalige Bestand, obwohl für die europäischen Verhältnisse schon recht ordentlich, noch nicht aus. Mehr Lamas und Alpakas mussten her.
Da wir mit diesem Bedürfnis nicht allein waren, organisierte der damals frisch gegründete französische Kleinkamelidenverein verdankenswerter Weise einen kollektiven Import. Dazu konnte er sich auf die Pionierleistung des ersten Imports abstützen, zumindest was die Importbewilligungen und Quarantänevorschriften in Frankreich betraf. Chile war (und ist immer noch) das einzige Andenland Südamerikas, das den sanitären Status besitzt der es erlaubt Tiere in die Europäische Union zu importieren (hauptsächlich in Bezug auf die Maul- und Klauenseuche).
Zu dieser Zeit gab Chile nur eine beschränkte Anzahl Exportbewilligungen ab und auch nur für jeweils ganze Frachtflugzeugladungen (300 Tiere), die hauptsächlich für die USA, Australien und Neuseeland bestimmt waren.
Nach intensiven Bemühungen das notwendige Kapital aufzutreiben, sicherte ich mir ein Drittel dieses, nach schier endlosen Verhandlungen für Frankreich errungenen Kontingents von 300 Tieren, unter der Bedingung sie selber vor Ort aussuchen zu können. So kam ich zu der einmaligen Chance auf zwei Reisen in den Norden Chiles (1991 und 1993), direkt im Altiplano, meine Gründerherde unter tausenden von Tieren selbst aussuchen zu können.
Unten: Selektion und Markierung der Exporttiere im Norden Chiles
3 Jahre brauchte es nach der ersten Reise noch bis alle Hindernisse ausgeräumt waren und als niemand mehr wirklich daran glaubte, kamen sie im Frühsommer 1994 tatsächlich doch noch an.
Durch strenge Selektion einerseits und eine gewisse züchterische Neugier und Experimentierlust andererseits, haben wir seither die Qualität der Herde ständig verbessert. Kaum ein Zuchtbetrieb in Europa kann auf einen genetisch so vielfältigen und gleichzeitig qualitativ homogenen Grundstock dieser Grössenordnung zurückblicken.